Mein Mann Horst alias Manuel liebt das Schreiben, hat bei dabei aber wohl das Reden verlernt, zumindest wenn er mit Kindern unterwegs ist.
Denn alles, was er sagt und spricht, klingt, als würde es aus einem hochtrabenden literarischen oder sprachwissenschaftlichen Text stammen, mit dem Kinder in ihrem Gesslein Kinderwagen wohl nie etwas anfangen können. Er freut sich zwar einerseits immer, wenn seine Neffen und Nichten zu Besuch kommen, weiß dann aber am Ende nie, wie er mit ihnen umgehen soll. Da kann er sich glücklich schätzen, dass ich wenigstens ab und an für Nachschub bei Plätzchen und Kakao sorge, während er versucht, sich mit den Kleinen zu beschäftigen. Ist er mit einem der Kinder allein in einem Raum, ist es ganz schlimm. Dann sitzt er schweigend da, starrt vor sich hin und weiß einfach nicht, wie er das Kind bei Laune halten kann und das, obwohl es ja sogar zur Familie gehört.
Ist es noch sehr klein, legt er es dann lieber auf die Babywippe und holt sich Verstärkung in Form von mir oder seinen Geschwistern, die meist mit den Kindern anreisen. Manchmal finde ich das Ganze aber auch recht lustig, da ich sehe, dass sich mein Mann durchaus bemüht und versucht, gut mit seinen Nichten und Neffen umzugehen. Da baut er dann das Innovation Sofa im Wohnzimmer zum Bett um, kauft Süßigkeiten und beobachtet die Kids beim Spielen. Das findet er wohl eh am Schönsten, wenn sich die Kleinen ganz ohne fremde Hilfe beschäftigen können. Er hat die Kinder zwar lieb, ist aber dennoch immer wieder glücklich und froh, wenn sie erst einmal wieder verschwinden und ihn hinter zugezogenem Rollo in seinem Büro mit seinen Gedanken, Stiften und Blättern in Ruhe lassen. Doch was soll ich sagen. Ein guter Mann ist Manuel trotzdem, auch wenn er nicht so gut mit seinen Nichten und Neffen kann, die ihn dennoch aufrichtig lieben, wie auch er es tut!